Rice and Shine

Rice and Shine

Ein vietdeutscher Podcast mit Minh Thu Tran und Vanessa Vu

15. November 2019 39 Tote

39 Tote

Wir trauern. Am 23. Oktober sind 39 Menschen tot in einem Lastwagen im englischen Ort Grays entdeckt worden. Zuerst hieß es, die Opfer seien Chinesen. Inzwischen ist klar: Sie waren alle vietnamesische Staatsangehörige. Gestorben bei dem Versuch, in Großbritannien arbeiten zu können und Geld für ihre Familien zu verdienen.

Vietnams Wirtschaft hat zwar eine der schnellsten Wachstumsraten weltweit - letztes Jahr waren es 7,1%. Die Alphabetisierungsrate liegt bei knapp 95%. Doch vom Aufschwung merken die Menschen in den ärmeren Provinzen wenig. Viele verlassen deshalb das Land unter prekären Umständen und riskieren, Opfer von Menschenhandel zu werden - oder auf ihren gefährlichen Fluchtwegen zu sterben.

In dieser Folge versuchen wir, einen Raum dafür zu schaffen, um uns auszutauschen: Wie geht es uns mit solchen Nachrichten? Wie können wir zu Armutsmigration und Schlepperei stehen, und was können oder sollen wir tun?

Mitarbeit: Linh Tran

Boat People

Unsere Eltern waren als Vertragsarbeiter*innen nach Europa gekommen. Die erste größere Migrationsbewegung aus Vietnam waren aber die sogenannten Boat People - also vor allem Südvietnames*innen, die nach dem Krieg 1975 mit Booten aufs offene Meer geflüchtet sind. Wir lassen in dieser Folge drei Überlebende erzählen: Nguyễn Anh Tuấn, Trần Văn Huyền und seine Frau Trần Thị Lệ Hương. Außerdem sprechen wir mit der Cap-Anamur-Mitbegründerin Christel Neudeck und erzählen von unseren Begegnungen mit den Hinterbliebenen des Brandanschlags von 1980, bei dem die ehemaligen Boat People Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân starben.

Coverfoto: Jürgen Escher/Cap Anamur

Gaysian

Vorhang auf für Nguyen Thi Hong Anh und Dang Chan Vinh! Die beiden sind badass Vietdeutsche und leben offen lesbisch bzw. schwul. In der Folge sprechen sie über ihr Coming Out, komplizierte Gespräche mit der Familie und unterschiedliche Erfahrungen in Deutschland und Vietnam. Außerdem verraten sie uns, welche Wörter sie damals gern gekannt hätten und wer ihre liebsten LGBTI* in der vietnamesischen Popkultur sind.

Mental Health II

In Folge 16 hatten wir mit der Psychologin Main Huong Nguyen über psychische Belastungen in der ersten Generation gesprochen, also unserer Elterngeneration. Nun widmen wir uns der zweiten Generation: Was hilft gegen Leistungsdruck und Minderwertigkeitskomplexe, wie können Freund*innen unterstützen, wie kann man mit den Eltern über Depressionen reden? Und: Kann man Leid und Traumata auch über Generationen hinweg weitergeben – falls ja, wie käme man da raus?

Redaktionelle Mitarbeit: Linh Tran

Glossar:

bị điên = verrückt werden/verrückt sein
đời khổ = ein hartes/entbehrungsreiches Leben
nghiện rượu = Alkoholsucht
tâm lý = psychologisch
tâm thần = psychiatrisch
trầm cảm = Depression
bị stress = gestresst sein
kiệt sức = Burnout
nhức đầu = Kopfschmerzen
cảm xúc = Gefühle
thuốc bắc/ thuốc nam = Traditionelle vietnamesische Medizin
con rất là lo về ba, mẹ = ich mache mir große Sorgen um euch, Mama und Papa
bệnh này có thể điều trị được = Für diese Erkrankung kann man in Behandlung gehen

Links

Mehr Informationen auf Deutsch und Vietnamesisch: http://www.netzwerk-vietpsygesundheit.de/de/

Die vietnamesischsprachige Spezialambulanz in Berlin: https://psychiatrie.charite.de/leistungen/ambulanzbereich/vietnamesischsprachige_spezialambulanz/

Die Vietnam-Ambulanz des KEH in Berlin: https://www.keh-berlin.de/de/tuvan-vietnam-vietnam-ambulanz

Mehr zu Plum Village:
https://plumvillage.org/
www.eiab.eu

"Vossis" - Viets im Osten - Live vom Kosmonaut in Chemnitz

Unsere zweite Livefolge ist da! Diesmal waren wir auf dem Kosmonaut-Festival in Chemnitz. Unser Gast: Die freie Journalistin, Speakerin und Moderatorin Nhi Le. Nhi ist in Thüringen aufgewachsen und lebt heute in Leipzig. Mit ihr haben wir über Viets in Ostdeutschland gesprochen, oder wie wir sie liebevoll getauft haben: Vossis.

Denn Viets sind vor allem eine ostdeutsche Minderheit: Von den insgesamt 168.000 Menschen mit vietnamesischem Migrationshintergrund leben heute (anteilig an der Bevölkerungszahl) deutlich mehr in den Neuen Bundesländern. Wie ist es, als Viet im Osten aufzuwachsen, wie gehen Vossis mit dem zunehmend offenen Rassismus um? Wir blicken auch auf die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg.

Disclaimer: Die Soundqualität ist vor allem am Anfang nicht gut. Wir schreien gegen Livemusik an und unsere Mikros sind leider übersteuert. Aber in der Mitte wird es deutlich besser.

PS: Vanessa hat sich auch in ihrer Arbeit bei ZEIT ONLINE mit Viets im Osten beschäftigt. Den Artikel könnt ihr hier nachlesen:
https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-05/vietnamesen-ostdeutschland-ddr-vertragsarbeiter-cottbus

"Zum Mitnehmen, bitte" – Live-Podcast auf dem PULS Open Air 2019

Wir haben das erste Mal vor Publikum eine Folge aufgenommen, und zwar auf dem Musikfestival "PULS Open Air", in der Nähe unserer alten Heimatstadt München. Dafür haben wir einen Satz uminterpretiert, der uns schon unser Leben lang begleitet: "Zum Mitnehmen, bitte!" Statt Essen gibt es zehn Wünsche an Nicht-Asiat*innen. Sie reichen von respektvoller Namens-Aussprache über gute Komplimente bis hin zu Erste-Hilfe-Tipps bei rassistischen Vorfällen.

Zum Nachlesen:

1. Zum Kennenlernen reicht ein nettes Hallo, bitte kein Nihao/Konichiwa und keine Frage nach der wirklichen Herkunft. Wenn wir dich mögen, erzählen wir von selbst.
2. Schreib unsere Namen richtig und akzeptiere die Aussprache, die wir dir anbieten.
3. Der Weg in unser Herz ist unser Essen! Frag uns gern nach unserem Lieblingsessen! Und plane gern auch nette Getränke/Aktivitäten ohne Alkohol ein. Manche trinken nicht, Asian Flush und so.
4. Mach auch mal ein Kompliment, das nicht mit Leistung zu tun hat – das verschärft unseren anerzogenen Leistungsdruck. Wie wär's mit lieben Kommentaren zu unseren Träumen, Gefühlen und Zielen?
5. Sprich so nett du kannst mit unseren Eltern, sie freuen sich.
6. Witze zu Schlitzaugen und Fake-Akzente finden wir eher verletzend als lustig. Alles andere sehr gern.
7. Wenn du Rassismus beobachtest: Konfrontiere die Aggressoren. Frage, was du für uns tun kannst. Schaffe einen Raum, in dem wir uns sicher fühlen, über unsere Verletzungen zu sprechen.
8. Wir rechnen es dir sehr hoch an, wenn du dich selbstkritisch mit Rassismus und mit Rassismus gegen asiatische Deutsche beschäftigst.
9. Spiele keine Minderheiten gegeneinander aus.
10. Bedenke unsere Vielfalt, allein Vietnam hat sehr unterschiedliche Regionen, Kulturen und Migrationswellen. Asien ist noch größer und diverser!

Mental Health I

Über psychische Belastungen zu reden fällt vielen Vietdeutschen nicht leicht: Erkrankte werden schnell als Verrückte abgestempelt, und viele haben nie gelernt, ihre eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Wir sprechen in dieser Folge mit der Psychologin Main Huong Nguyen. Sie arbeitet seit über drei Jahren in einer Spezialambulanz für vietnamesische Menschen an der Charité in Berlin. Wir hatten euch gebeten, Fragen an Main Huong zu schicken – und es kamen so viele zurück, dass wir gleich zwei Folgen mit ihr aufgenommen haben. Im ersten Teil befassen wir uns vor allem mit der Elterngeneration: Was belastet sie, wie äußert sich das, ab wann ist eine Therapie sinnvoll und wie können wir das liebevoll ansprechen?

Redaktionelle Mitarbeit: Linh Tran

Bubble Tea

Ab 2011 eröffnete in Deutschland ein Bubble-Tea-Laden nach dem anderen, vor allem in großen Städten entstanden damit lauter Hotspots ostasiatischer Popkultur. Sogar McDonald’s verkaufte zeitweise Bubble Tea. 2012 war der Hype aber wieder vorbei, die Läden verschwanden so schnell wie sie gekommen waren. Wir rekonstruieren den Niedergang und lassen Thuy erzählen, wie es war, ihren Bubble-Tea-Laden in Ulm schließen zu müssen. Außerdem haben wir ein neues Team-Mitglied: Linh Tran. Für die Folge haben wir sie zu einem Bubble-Tea-Laden geschickt, um dort mit Fans des Getränks zu sprechen. #FrageAnAsiaten: Ist es in Asien verpönt, Nein zu sagen?

Yellowfacing

Weißen Menschen scheint es besonders viel Spaß zu machen, sich gelb anzumalen und als "Chinesen" zu verkleiden: An Fasching bzw. Karneval, im Theater und im Film. Warum bloß? In Folge 14 gehen wir der Frage nach, ergründen unsere Haltung zum sogenannten Yellowfacing und diskutieren Strategien im Umgang damit. Mit dabei: der Hamburger Theatermacher Dan Thy Nguyen ("Sonnenblumenhaus"). Zum Thema passende #FrageAnAsiaten: Wie finden wir Mulan-Kostüme?

Tết in Vietnam

Für das Mondneujahrsfest, auf Vietnamesisch Tết Nguyên Đán, ist Minh Thu zu ihrer Familie nach Ho Chi Minh City geflogen. Was ist ähnlich, was ganz anders? In der Stadt trifft sie auch ihre Sandkastenfreundin Thao Nhi Le. Nhi ist vor einem halben Jahr nach Vietnam ausgewandert und als Modebloggerin begeistert von dem dynamischen Land. In #FrageAnAsiaten erzählen wir drei, wie uns Menschen in Vietnam wahrnehmen.