Rice and Shine

Rice and Shine

Ein vietdeutscher Podcast mit Minh Thu Tran und Vanessa Vu

Sind wir rassistisch?

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Wir schämen uns: Neun Folgen lang hatten wir, ohne es zu merken, das N-Wort im Intro. Kaum hörbar, im Übergang zu unserer Moderation, und dennoch – es hätte uns nicht passieren dürfen. Im Podcast fragen wir uns: Wo sind wir selbst rassistisch? Malcolm Ohanwe (“Kanackische Welle”) erklärt aus Schwarzer Perspektive, unter welchen Umständen man als Minderheit Begriffe und Codes anderer Minderheiten benutzen kann. Huyen erzählt, wie es ist, wenn die eigene Mutter den Schwarzen Freund ablehnt. Und Saboura M. Naqshband merkt an, dass südasiatische Perspektiven oft vergessen werden, wenn es um Asien oder die asiatische(n) Diaspora(s) geht. #FrageAnAsiaten diesmal passend zum Thema: Wie stehen unsere Eltern zu gemischten Partnerschaften?

Weiterführende Links

Nia Tucker in Next Shark: Sorry Asians, my blackness is not your counterculture

Andrew R. Chow in Refinery29: When Asian and Black Artists use each other in Hip Hop

Lisa Hofmann-Kuroda in Wear Your Voice: Dear non-Black Asian-Americans (and other non-Black folks), we have a real issue with appropriating AAVE, and it needs to stop.

Julia Carrie Wong in The Guardian: 'Scapegoated?' The police killing that left Asian Americans angry – and divided

Alvin Chang in Vox: Asians are being used to make the case against affirmative action. Again.

Shashank Rao in Studybreaks: Unpacking The Anti-Blackness Of The Asian-American Community

Rinku Sen in Reappropriate: How to Organize Asian Americans

Melissa Ho in Columbia Spectator: Asian activists, we can do better

Kristina Wong in New Internationalist: Six ways to be a better ally


Kommentare

Raoua
by Raoua on 20. April 2019
Moin moin ihr Lieben, herzlichen Dank und großes Lob, wie ihr das Problem gelöst habt: Einfach darüber sprechen. Das bringt uns mehr weiter. Das hat uns immer weiter gebracht. Ihr habt die Reaktionen zum Anlass genommen, um einfach über das Thema in der eigenen Community zu sprechen. Hut ab. Wir entwickeln uns weiter, wir haben alle ein Rassismusproblem. Einige arbeiten an ihren Rassismen, andere wiederum pflegen sie weiter. Ich z.B. habe keinen Bock mehr darauf, Sinti und Roma bewusst oder unbewusst weiter zu beleidigen und nehme das Z-Wort gar nicht in dem Mund. Dafür aber ganz andere Dinge, wie z.B. "Ej, Alter" oder "das ist scheiße". Also, bitte bitte nichts löschen. Es ist ja auch ein Teil eurer Biografie, eures Schaffens. Wir sind Menschen und damit auch fehlerbehaftet. Was wir tun können, ist dazu lernen, da wo wir es für richtig halten. Ich bin auch unbelehrbar, was das Wort "Scheiße" angeht. Und ich finde das niederländische Wort dafür, also schijt (phon.: sch-ch[wie bei Achtung]-ey-te), würde mich lautmalerisch noch glücklicher machen. Dazu habe ich auch einen Text verfasst.
Rainer Genus
by Rainer Genus on 21. November 2018
Liebe Minh Thu Tran, liebe Vanessa Vu, ein großes Lob für Ihren Podcast Rice and Shine! Ich bin ein regelmäßiger Hörer und empfehle die Sendung an alle möglichen Freunde und Bekannte weiter, obwohl ich eher zur Generation Ihrer Eltern gehöre und als „biodeutscher“ pensionierter Beamter einen ganz anderen Hintergrund habe. Warum mir der Podcast so gefällt? Mehr dazu weiter unten. Im November habe ich mich über die Sendung gründlich geärgert. Warum? Es geht darum, wie wir aufklärerisch mit Sprache umgehen und einen öffentlichen Diskurs pflegen, der Menschen zusammenführt und zugleich Gegensätze austrägt und klärt. Sie haben nach neun Folgen bemerkt, dass im Intro „kaum hörbar“ das „N-Wort“ im Ausschnitt aus „You got beef“ verwendete wird. Große Aufregung: „Das ist ziemlich Scheiße. Das hätte uns niemals passieren dürfen!“ „Das krasseste No-Go, was es gibt.“ ... „Sinnkrise“ ... Und obwohl man das (ironisch gemeinte) Wort kaum höre, entfalte es „seine giftige Wirkung.“ Was mich ziemlich entsetzt, ist die panische Reaktion, die der unbewusste Gebrauch (richtiger: „das Zitat“) eines im aufgeklärten Diskurs zu recht zurückgewiesenen Worts bei Ihnen auslöst. Glauben Sie wirklich, dass wer „Nigga“ sagt (oder auch nur hört?) in den Strudel rassistischer Diskriminierung hineingezogen wird, oder diese Wirkung gar hervorruft? Die Dämonisierung einzelner Worte gehört eigentlich ins Drehbuch von Aberglaube, religiösem Fanatismus und repressiver Erziehung. Vorchristliche Kulturen haben mit „Tabu“ die gefürchteten Kräfte bezeichnet, die nicht benannt werden sollten, um sie nicht zu entfesseln. Unsere Vorfahren hatten Angst vor dem Teufel, umschrieben ihn aber nur mit „Gott-Sei-Bei-Uns“, um ihn nicht auf den Plan zu rufen. Das Elend der Sexualerziehung war bis vor wenigen Jahren, dass Geschlechtsorgane („dein Dingsda“) und Sex („Wenn Vati und Mutti sich ganz lieb haben“) nicht klar und sachlich benannt wurden. Dies alles immer in dem Glauben, das Aussprechen eines Wortes (nicht die Kenntnis des Gemeinten) könne Unglück auslösen. Randbemerkung des Deutschlehrers: Goethes Faust grübelt über der Übersetzung der Schöpfungsgeschichte. Die erste Version - „Am Anfang war das Wort“ - landet im Papierkorb („Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen“); nach einigem Hin und Her (auch „Sinn“ und „Kraft“ werden verworfen) kommt er zu einer befriedigenden Lösung: „Am Anfang war die Tat.“ Gutes Ergebnis! Wer etwas Sinnvolles tut, braucht keine Angst vor toxischen Wörtern zu haben. Ich schätze Ihren Podcast, weil er sehr persönlich zeigt, welche Kraft in unserer Gesellschaft steckt, und zwar gerade deshalb, weil sie multikulturell und nicht homogen ist. Weiterhin bewundere ich an Ihren Geschichten, dass Eltern und ihre Kinder auf sozialen Aufstieg durch Anstrengung und Bildung setzen. Und - besonders - dass Karriere nicht Anpassung sondern Veränderung und Bereicherung unseres Lebens bedeutet. Auf diesem Hintergrund finde ich besonders erschreckend, welche Konsequenzen Sie aus Ihrem vermeintlichen Fehltritt im Podcast erwägen: „Alle alten Folgen löschen.“ Sorry, aber das ist nun wirklich ein NO GO. Bereinigung der Geschichte durch Bildretuschen und verschwiegene biografische Episoden gehört zur Trademark jeder Diktatur. Noch eine letzte Bemerkung: „Ziemlich Scheiße“ finde ich, das Sie dieses „S-Wort“ direkt mehrfach im Rahmen ihrer Selbstkritik verwenden. Im gesprochenen Alltag als spontaner Fluch ist es seit Jahrzehnten genauso harmlos und wirkungslos wie „Fuck and fuckin‘“ (das andere, unbeanstandete Tabuwort in Akenz‘ Rap) im zeitgenössischen Sprachgebrauch. Im schriftlichen Text oder im Kontext einer um Klarheit bemühten öffentlichen Sendung bekommt es aber auf einmal ein ganz anderes Gewicht. Es kommt halt immer auf den Zusammenhang an. Den Zusammenhang im Text und vor allem den Zusammenhang zum Handeln. Weiterhin viel Erfolg mit „Rice and Shine“. Bitte löschen Sie nichts, machen Sie weiter, Sie sind Vorbilder, nicht nur für „Viet-Deutsche“! Herzliche Grüße

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